Wo ist grillen verboten, wo ist es erlaubt und was muss man eigentlich alles beachten? Grillen ist keine Wissenschaft, aber ein paar Rechtsfragen sollte man trotzdem vorher klären.

Herr Biedermann und der Grill auf dem Balkon

„…und dann hat er uns mit einer Anzeige gedroht – nur, weil wir auf dem Balkon gegrillt haben!“ Bei der letzten Grillparty in unserem Freundeskreis erzählte eine gute Bekannte diese Geschichte, die dann zu einer Diskussion über Rechtsfragen rund um’s Grillen führte.

Sie ist mit einer besonderen Spezies Nachbarn gesegnet, die wahrscheinlich jeder kennt. Nennen wir den Nachbarn Herr Biedermann. Herr Biedermann hat sich selbst zum Sheriff des Wohnblocks ernannt, indem unser befreundetes Pärchen wohnt. Er kontrolliert penibel die Einhaltung der Kehrwoche, raunzt spielende Kinder im Hinterhof an und diskutiert gerne mit Postboten und Müllmännern. Wenn er einen eigenen Garten hätte, würde er dort wahrscheinlich den Rasen mit der Nagelschere schneiden. Ihr wisst, wovon ich spreche, oder?

Letzte Woche jedenfalls passierte diese Geschichte, von der unsere Bekannten dann beim Grillfest erzählten. Es war Sonntagabend und sie kamen mit ihren Kindern nach einem langen Badetag nach Hause. Die Bäuche waren leer – und der Kühlschrank ebenso! Durch ein Familienfest am Tag davor hatten sie vergessen, einzukaufen. Also fuhr der Vater zur nächsten Tankstelle, besorgte einen Einweggrill und eine Packung Bratwürste. Diese brutzelten kurze Zeit später fröhlich auf dem Balkon vor sich hin. Plötzlich klingelte es an der Tür und davor stand – genau – Herr Biedermann.

Sofort raunzte er meine Bekannte an, die die Tür öffnete: „Sie können doch nicht auf Ihrem Balkon grillen, das ist strengstens verboten! Löschen Sie sofort den Grill!“ Die Eltern versuchten, die Lage zu erklären, hungrige Kinder, leerer Kühlschrank und so. Das interessierte den Nachbarn aber null. Er rauschte ab mit den Worten „Ich rufe jetzt sofort die Polizei an und erstatte Anzeige gegen Sie!“

Rechtsfragen sorgen für Diskussion

Diese Geschichte sorgte für reichlich Gesprächsstoff bei unserer Party. Die Meinungen zu den Rechtsfragen gingen auseinander: Die einen sagten, Grillen sei total okay auf dem Balkon, solange sich kein richtiges Feuer daraus entwickeln kann. Andere meinten, das müsse im Mietvertrag geregelt sein. Die nächsten waren überzeugt, der Nachbar habe Recht und Grillen auf dem Balkon sei tatsächlich verboten.

Schließlich kam mir die rettende Idee: Ein ehemaliger Schulfreund von mir kennt sich gut mit Mietrecht aus, also rief ich ihn an. „Ich bin zwar kein Experte und im Zweifelsfall würde ich immer einen Anwalt fragen,“ meinte er, „aber im Prinzip habt ihr alle Recht. Grillen ist grundsätzlich erlaubt, wenn es nicht ausdrücklich durch den Mietvertrag oder die Hausordnung verboten ist.“

Gegenseitige Rücksichtnahme ist das A und O

Dennoch gebe es gewisse Einschränkungen, wie er mir weiter erklärte. Das oberste Gebot sollte immer die gegenseitige Rücksichtnahme sein. Wenn sich zum Beispiel durch den Rauch beim Grillen Nachbarn belästigt fühlen, sollte man lieber einen Gas- oder Elektrogrill verwenden. Der verhindert eben auch, dass sich ein richtiges Feuer entwickeln kann. Damit geht man auf alle Fälle auf Nummer sicher.

„Ähnliches gilt übrigens auch für die Uhrzeit,“ ergänzte er noch. Damit ist gemeint, dass es zwar kein Verbot gebe, mitten in der Nacht zu grillen. „Aber trotzdem gilt zwischen 22 und 6 Uhr die Nachtruhe. Die sollte man lieber nicht durch eine Grillparty auf dem Balkon stören.“

Grillen im Urlaub

Nachdem ich der Grillrunde die Erkenntnisse meines Schulfreundes erzählt hatte, überlegten wir weiter. Das mit der gegenseitigen Rücksichtnahme gilt im eigenen Garten ja bestimmt genauso. Aber was ist mit öffentlichen Plätzen?

Jemand anderes aus der Runde erzählte dann, dass er sich jetzt einen kleinen Gasgrill für den Wohnwagen angeschafft habe. „Der ist nicht nur super praktisch und einfach zu reinigen,“ sagte er. Der Hauptgrund sei eigentlich, dass auf den meisten Campingplätzen das Grillen mit Holzkohle gar nicht mehr erlaubt sei. „Gerade in südlichen Ländern wie Italien ist das wegen der Waldbrandgefahr gar nicht mehr drin,“ erklärte er weiter.

Bratwurstparty in der Stadt

Und mein Nachbar ergänzte: „Stimmt, das haben wir so ähnlich im letzten Urlaub in München auch erlebt. Da hatten wir die Idee, einfach im nächsten Park um die Ecke zu grillen. Die Betreiberin unserer Pension hat uns aber zum Glück darauf hingewiesen, dass es nur an bestimmten Grillplätzen erlaubt ist. Wir haben dann im Internet eine Karte gefunden, wo man grillen kann. Das gibt es bestimmt mittlerweile für jede größere Stadt. Da sind wir dann zum nächsten Grillspot gegangen. Ein Glück, sage ich euch! Sonst hätte uns ein saftiges Bußgeld gewunken. Wir haben uns vorher mit solchen Rechtsfragen gar nicht auseinander gesetzt.“

Beim Grillen in Städten muss man meistens noch ein paar andere Dinge beachten. Oft darf man in bestimmten Zeiträumen gar nicht grillen, auch wegen der Waldbrandgefahr. Oder das Benutzen von trockenen Ästen ist zum Anfeuern verboten. Seit ich das weiß, habe ich mir vorgenommen, mich vor jedem Urlaub genau über die Rechtsfragen zum Grillen im Urlaubsort zu informieren.

Habt ihr sonst noch Tipps für mich, worauf ich achten sollte? Dann freu ich mich über eure Kommentare!